Onepage & Seo

Einleitung

Im Internet ist der User König, was sich seiner Aufmerksamkeit entzieht, geht unter. Backlinks sind wichtig, aber was immer noch an erster Stelle steht sind: Verweildauer, Absprungrate und Returning Visitors. So standen die User Signals 2014 auf den vordersten Plätzen der Top-Rankingfaktoren. Nicht verwunderlich, denn der Google-Bot generiert schließlich keine Conversions. Umso mehr rücken wieder Aspekte wie die Bedienung von Websites in den Vordergrund. Das Credo „Don´t make me think“[1], ist aktueller denn je.

Die Begriffe Design, Usability und Programmierung stammen aus verschiedenen Bereichen der Webentwicklung. Sie berühren sowohl kreative, als auch technische Aspekte. Jeder dieser Bestandteile trägt aber zum Erfolg einer Website bei. Deshalb ist es wichtig, die Teile in einem engen Zusammenhang zu betrachten und nicht wie teils üblich, in voneinander unabhängigen Entwicklungsschritten.

In den letzten Jahren beginnt sich das Konzept der OnePage im User Interface Design zu etablieren. Diese Entwicklung ist eine Errungenschaft für die User Experience, aber eine Herausforderung für Programmierung und SEO. Es ist nicht zuletzt der Fokus auf JavaScript, der OnePages zu kleinen Abenteuern werden lässt.

Doch wie kann man Trends und zeitgemäße UIs dennoch umsetzen?

Wir möchten nachfolgend die Trends im UI/UX Design vorstellen und über die technischen Aspekte der Gestaltung, bis hin zum Thema SEO die Möglichkeiten und Schwächen von OnePages aufzeigen. Mit unseren gesammelten Erfahrungen im Web-Dschungel werden wir verschiedene SEO-Strategien beleuchten und zeigen wo die Reise einmal hingeht.

Multi-Page-Design

Websites werden immer komplexer. Das ärgert manchmal User, wenn sie in einer Kaskade von Unterseiten nach einem Inhalt suchen, dessen genaue Position nicht mehr bekannt ist. In einer Odyssee von Suchanfragen beginnt der User das Gesuchte zu beschreiben, bis er fündig wird. Sicherlich ein Worst-Case-Szenario, aber manchmal durchaus gängige Praxis.

Der Grund liegt in der Orientierung des Webs am Print-Design. Der User navigiert durch Websites wie durch Prospekte – Seite für Seite. Das Besondere am Digitalen ist allerdings, genau diese Grenzen aufzubrechen.

Der Mensch, der bekanntlich auch User ist, ist ein visuelles Wesen. Es fällt uns wesentlich leichter Bilder im Kopf zu behalten, beeindruckende Darstellungen, Formen und Farben. Keine Listen von Untermenüs und Dropdowns.

Der Trend im User-Interface-Design bemüht sich daher immer mehr um Einfachheit. Auch das beliebte Flat Design zielt auf diese Entwicklung ab. Weniger ist eben mehr. Was im Hintergrund verarbeitet wird, interessiert den User nicht.

Websites als Apps

Auch Browserhersteller bedienen sich der Reduktion von Informationen. Nicht zur Freude jedes Users hat Safari die Verzeichnisstruktur der Website in der Adressleiste versteckt. Auch Chrome und Firefox schließen sich an. Ähnlich ist das üblich gewordene Ausblenden der Adressleiste beim Hinunter-Scrollen der Seite.

Der Grund liegt darin, dass für die meisten Nutzer die Adressleiste zu einem Universalwerkzeug geworden ist. Die Suchbegriffe werden direkt eingegeben, ohne den Umweg über die URL oder die Website von Google zu gehen. Gibt man in die Adressleiste von Chrome den Begriff: „Google“ gefolgt von seinem Suchbegriff ein, versteht der Browser, welches Szenario der User erwartet. In Chrome nennt man dieses Feature Omnibox[6]. Vielleicht schafft man auf diesem Weg einmal der Praxis ein Ende, Wortmarken einer URL bei Google zu suchen, anstatt Adressen einzutippen.

Es zeigt sich: Das Konzept der URL wird zunehmend ein rein technisches. Benutzer wollen Einfachheit.

Klarheit schaffen

OnePages wirken aufgeräumt und minimalistisch, ohne den Anspruch an Design zu verlieren. Hinzu kommt eine Call-to-Action-Interaktion, die dem User genau das präsentiert, was er wirklich sehen möchte. Shop-Betreiber mögen davon wenig beeindruckt sein, denn ihr Geschäft ist es, dem User Inhalte zu zeigen, die er nicht explizit angefordert hat. Damit scheinen OnePages fürs Shops ungeeignet zu sein. Doch das erweist sich nur auf den ersten Blick als wahr. OnePages sind in ihrer Interaktion neu und erfordern damit auch neue Ansätze im Design und der Programmierung.

Ein hervorragendes Beispiel liefert der Payment Provider Stripe[2]. Dieser war mit seiner Demo des OnePage-Shops so erfolgreich, dass die Anwendung mittlerweile als Open-Source zur Verfügung gestellt wurde. In einem Shop der zuerst viele Informationen zurückhält, wird der User durch die Gestaltung und die Optik getriggert. Eingabemasken und Formulare interessieren ohnehin erst am Ende des Kaufprozesses. Damit wird die Website mehr zum Schaufenster als zum Katalog.

Mobile First

Im mobilen Bereich stößt die OnePage oftmals offene Türen auf. Hier wird seit jeher darauf geachtet, Bedienkonzepte so minimal wie nur möglich zu halten, vor allem aus Platzgründen. Die Bedienung über mehrere Ebenen wird aber bisher durch Lösungen wie Sandwich-Buttons und Slide-Menüs auch nicht einfacher.

Außerdem möchte der User nicht in jedem Fall einfach eine mobile Version aller Inhalte sehen. Die Intentionen beim mobilen Surfen sind oft ganz andere als am stationären Desktop. Ein schneller Blick in die Öffnungszeiten, das Durchscrollen der Menükarte. Jede ungewollte Information stört die User Experience. Hier kann die OnePage durch ihre intendierte Interaktion punkten.

User werden Onepages lieben

In einem A/B-Vergleichstest fand das Baymard Institute[3] heraus, dass die Abbruchquote beim Kauf umso höher ist, je mehr Seiten beim Benutzer-Handling dafür nötig sind. Daher ist die User Experience im Umgang mit OnePages nicht zu unterschätzen. Groß angelegte UX-Studien zu OnePages liegen bislang aber kaum vor.

Am wichtigsten in der Gestaltung bleibt, dass die Seite der Gedankenfolge des Users folgt. Dies gilt auch für Multi-Page-Sites. Die meisten OnePages nutzen weiterhin Elemente der Navigation aus klassischen Interfaces. Es geht bei OnePages auch nicht darum, besonders modern zu sein. Sie erweitert viel mehr das Repertoire an Navigationsmöglichkeiten. In jedem Anwendungsfall muss nachgedacht werden, für welches Konzept welche Navigation am besten geeignet ist.

Im Gespräch mit Kunden zeigt sich, dass die Nachfrage für OnePage-Konzepte stark gestiegen ist. Sie sind vielleicht nur ein Trend. Im Kontext der genannten Entwicklungen scheint es aber vielmehr eine weitere Option im UI-Design zu sein. Sie sind trotzdem nicht die Lösung aller Probleme. Es handelt sich um eine Entwicklung, daher wird noch viel experimentiert.

Sie sind derzeit aber vor allem eines: Auffällig!

Wer sich gern selbst davon überzeugen möchte, kann auf dem Portal
www.onepagelove.com über 5.000 Beispiele bestaunen.

Nachholbedarf

Auch bei der Bedienung von Browsern bestehen noch einige Probleme, die das Handling einer OnePage erschweren. Der Zurück-Button ist seit langem ein fester Bestandteil des Surfens. Wird er allerdings bei einer OnePage bedient, gelangt man eine Seite zurück, was den User oft zu Google schickt, oder einfach nicht den gewünschten Rücksprung bewirkt. Hat der User durch Interaktion seine individuelle Seite bereits aufgebaut, kann das sehr ärgerlich werden.

Probleme wie dieses werden oft missachtet, können aber im Ernstfall empfindlich die User Experience stören. Obwohl JavaScript die Browser-History beeinflussen kann, und Events auf einem Zwischen-Speicher abgelegt werden könnten.

HTML5 bietet Programmierern immer mehr Möglichkeiten über die JavaScript-API auf komplexe Funktionen des Browsers zuzugreifen, da die Spezifikation noch nicht beendet ist, wird sich diesbezüglich noch viel tun. Meistens ist es aber viel mehr eine Angelegenheit von fehlender Sensibilität, als eine von mangelnden Möglichkeiten.

SEO?

Während das Interesse an OnePage-Websites kontinuierlich ansteigt, scheint das Thema SEO bei OnePages eine Nische zu bleiben. Das liegt vor allem in der schwierigen Umsetzung von gezielten SEO-Maßnahmen in OnePages.

So lautet die Devise: Trends? – Ja, aber nicht ohne SEO. Die Entschlossenheit der SEOs auch UI-Neuland zu beackern, ist gering. Das zeigt sich auch im Interessenverlauf. Fast ein Jahr lang blieb SEO sogar völlig unbeachtet.

Der Grund liegt vor allem in den Entwicklungskosten. Deshalb setzt man in kommerziellen Projekten vorsichtshalber auf erschlossene Bereiche und Produkte.

Im Hinblick auf noch fehlende Lösungen gilt in den meisten Fällen Vorsicht, denn schlechtes SEO möchte niemand provozieren.

Es ist somit oft die Frage, welche Vor- und Nachteile überwiegen. Kann gesteigerte UX eine von SEO durchoptimierte Seite ausstechen? Das ist abhängig vom jeweiligen Projekt und den Zielen.

Interaktive Designs

JavaScript ist neben HTML & CSS der dritte große Pfeiler der Webentwicklung geworden. Es existiert kaum eine Seite ohne diese Komponenten.

In vielen Projekten & Designs entstehen immer noch Wow-Effekte, die User beeindrucken und vor allem bei Entwicklern die Frage hinterlassen:

„Wie geht das eigentlich?“

Dafür ist vor allem das JavaScript-Framework jQuery verantwortlich, dass JavaScript durch seine einfache Handhabung bereichert hat. Auch Technologien wie AJAX sind durch jQuery viel zugänglicher geworden. AJAX ist die Basis von OnePages, damit können Inhalte dynamisch ohne einen Seitenwechsel nachgeladen werden.

Das Problem der Dynamik

Google hat mit der übermäßigen Nutzung von JavaScript aber noch seine Probleme. Das liegt weniger daran, dass es nicht möglich wäre, den Google-Bot beim Crawling JavaScript ausführen zu lassen, sondern an den Möglichkeiten von JavaScript & AJAX. Es wäre ein Leichtes den Suchindex zu manipulieren, indem falsche Inhalte zur Verfügung gestellt werden.

Daher hält sich Google seit Jahren zurück JavaScript zu sehr zu beachten. Auch wenn CSS3 bei optischen Effekten JavaScript bereits oft ablöst, laufen vor allem komplexe Funktionen nicht ohne die Scriptsprache.

Studien

SEOs wissen, dass Google nach Möglichkeiten sucht, JavaScript sicher zu indexieren. In den letzten Jahren hat sich einiges getan. 2012 hat Moz.com[4] in Tests herausgefunden, dass Inhalte mit bestimmten JavaScript-Methoden indexiert werden. Wird JavaScript auf Domainebene eingebunden und nutzt keine externen Quellen, werden diese auch indexiert. Die getesteten Methoden document.write und innerHTML waren erfolgreich. Mit diesen lassen sich aber auch keine OnePages realisieren. AJAX konnte vom Google-Bot nicht eindeutig mit der Domain assoziiert werden und fand daher keine Berücksichtigung.

Für die Suchmaschinen überwiegen derzeit die Risiken dynamischen Content zu indexieren. Das Hauptproblem liegt vor allem darin, dass in AJAX keine festen Zustände mehr existieren. Der Content verändert sich dynamisch durch die Interaktion mit dem User. Dabei entstehen auch keine Links, die gecrawled werden könnten.

Neue Ergebnisse

Die Ergebnisse im JavaScript-Crawling ändern sich ständig und man kann davon ausgehen, dass Google an seinem Algorithmus schraubt und bereits mehrere Ergebnisse, die sich AJAX-Technologien bedienen im Index hat. Nur qualitative Aussagen lassen sich darüber bislang nicht treffen. So kommen immer wieder verschiedene Webmaster und Entwickler zum Ergebnis, dass JavaScript Berücksichtigung im Ranking findet. Aber noch lang nicht auf ganzer Ebene.

Ebenso fraglich bleibt für SEOs, wie JavaScript-Content gewichtet wird. Es kann davon ausgegangen werden, dass statischer Content nach wie vor stärker beachtet wird und man sich aber trotzdem in kleinen Schritten den neuen Techniken annähert. Davon zeugt vor allem Googles hohes Engagement eigene Lösungen für das Problem AJAX anzubieten.

Im Anschluss ein Überblick über gängige Lösungsansätze, die bei OnePages Anwendung finden:

1. Das Janusgesicht des Webs

Die Entwicklung einer OnePage verläuft in den meisten Fällen zweigleisig. Während im Vordergrund eine durchgestylte OnePage bedient wird, bekommt der Google-Bot eine <noscript>-Version präsentiert.

Ein Problem das dem Entwickler sofort aufstößt, ist die doppelte Entwicklungszeit. Denn der Aufbau einer zweiten inhaltlichen Struktur erfordert zusätzliche Entwicklungszeit und macht SEO teurer. Es kann keine Lösung von Dauer sein, für SEO und den User separat zu entwickeln. Solche Angelegenheiten erinnern etwas an die frühen Jahre des SEO, in denen Keyword-Stuffing noch eine legitime Methode war.

2. Capture the Moment

Um mit Onpages in Sachen SEO erfolgreich zu sein, muss man mit Momentaufnahmen die User-Interaktionen in AJAX festhalten. In klassischem HTML verwendet man Hashtags als Sprungmarken, um mit Hilfe von Links auf derselben Seite hin- und herzuspringen. Diese haben aber keine Relevanz für den Google-Bot, da kein neuer Content vorliegt. Es handelt sich um eine reine Interaktionshilfe. In AJAX werden in Hashtags Zustände der Interaktion gespeichert. Und es ist kein unglücklicher Zufall, dass man sich für beide Anwendungen dieses Tags bedient.

Der Hashtag speichert Reaktionen, ebenso wie in statischem HTML. Es geht darum, keinen neuen HTTP-Request auszulösen, wenn Parameter abgesendet werden. Damit ein Reload nicht stattfindet, verwendet man den Zusatz „_escaped_fragment_=“ in der URL. Das ist nicht besonders elegant.

3. Der Crawling-Bot wird sozial

Eine weitere praktikable Lösung ist das serverseitige Bereitstellen von statischen URLs, die auch User abrufen. Nämlich immer dann, wenn jemand eine Seite in einem sozialen Netzwerk teilt. Wird der Share-Button betätigt, der faktisch ein Link ist, wird eine statische HTML-Seite generiert. Hierfür ist allerdings eine umfangreiche Konfiguration auf Serverseite nötig.

4. Googles Angular JavaScript

Um die Entwicklung bei OnePages und AJAX nicht zu behindern, bietet Google ganz eigene Ansätze und Kompromisse für Seitenbetreiber und Entwickler an. Sehr engagiert ist Google deshalb in der Entwicklung des eigenen JavaScript-Frameworks Angular. Damit lassen sich vor allem OnePage-Anwendungen wie die Chrome-Apps realisieren. Denkbar ist, dass kommende CMS eng mit dem Framework verzahnt werden, sodass per Klick schnell OnePage Websites entstehen können.

Googles Lösungszusatz

Die Google Developers Plattform[5] bezeichnet die Lösung des escaped_fragment als „ugly URL“. Die Lösung von Google sieht vor, statt dem ugly-Teil der URL ein „#!“ vorzuziehen.

Auch wenn Google hier den Weg geht, die URLs „pretty“ und „ugly“ zu nennen, sind auch pretty URLs eher unüblich. Eine URL die „#!“ oder „_escaped_fragment_=“ enthält, kann Irritationen auslösen. Auch wenn die meisten User sich kaum für URL-Parameter interessieren. Das wird beim Konzept der Omnibox deutlich. Es handelt sich allerdings um eine Lösung, die nur für die Suchmaschine Google funktioniert. Der Bot erkennt die pretty URLs und behandelt sie als Momentaufnahme einer HTML-Seite und kann sie als statisch im Index aufnehmen.

Strukturen in Onepages

OnePages besitzen keine Hierarchie, da die übergeordnete Navigation fehlt. Handelt es sich wirklich um eine reine OnePage, die mit AJAX-States arbeitet, sollte man die Gewichtung der einzelnen Inhalte beachten. Die Separierung durch Unterseiten, muss z.B. durch die Mehrfachverwendung von H1-Überschriften ersetzt werden.

Bei der Zwei-Seiten-Variante muss Rücksicht auf diese Umstände genommen werden, da zu viele Überschriften erster Ordnung dem SEO in klassischen Websites schaden können.

Eine Abhilfe schafft die HTML5-Spezifikation, die Sections mit eigenen Headern erlaubt. So kann eine H1 mehrfach verwendet werden, indem sie in einer Section gekapselt wird. Leider erkennen noch nicht viele Analyse-Tools diese neuen Möglichkeiten der semantischen HTML5-Elemente section und article und deklarieren diese als Fehler.

In der grauen Vergangenheit des Webs, als HTML 4.01 noch Standard war, begegnete man daher oft sogenannten DIV-Suppen. Diese hatten keine semantische Struktur und konnten von der Suchmaschine kaum einander zugeordnet werden. In OnePages ist diese Praxis undenkbar.

Ladezeiten

Ein Nachteil von OnePages sind die Ladezeiten. Das hängt weniger mit den Inhalten zusammen, denn die Seite wird erst durch die Interaktion umfangreicher.

Es ist der Fokus des visuellen, der durch große Bilder und Video-Backgrounds längere Ladezeiten verursacht. Auch wenn Daten dynamisch nachgeladen werden, ist eine OnePage für manche Hardware eine Herausforderung. Es empfiehlt sich ein wenig zu warten, bis man beginnt zu Scrollen. Für Entwickler ist die exakte zeitliche Koordination der Ladevorgänge eine Herausforderung. Scrollt der User zu schnell, entstehen Lücken.

Da OnePages im SEO eher eine gesonderte Behandlung haben, müssen besonders die üblichen SEO-Kniffe möglichst vollständig ausgeführt werden. Das Augenmerk muss bei der Serverkonfiguration vor allem auf der Performance liegen. Scripte und Seiten sollten minified und per Gzip-Komprimierung ausgeliefert werden. Die Anzahl an Dateien sollte gering gehalten werden. Auch gut durchdachtes Caching mit Expire Headern, sowie CDNs sollten verwendet werden. Wer hier eine Hilfestellung möchte, worauf Google genau achtet, wird beim Google PageSpeed Tool[7] fündig.

OnePage-SEO-Reporting

Auch beim SEO-Reporting entsteht ein anderes Bild. Bei einer reinen OnePage zeigen alle Links auf die Startseite. Aber auch bei einer Doppel-Struktur entfällt ein großer Anteil auf die Startseite. Das Konzept der Landingpage verliert damit auch im Reporting an Bedeutung.

In unserem Vergleich von Daten aus verschiedenen Reports konnte festgestellt werden, dass der Anteil der Zugriffe über die Hauptseite bei Multi-Pages, je nach Tiefe der Seitenstruktur bei 20 bis maximal 60% liegt.

Dabei gilt unabhängig von OnePages, je flacher die Struktur einer Website, desto mehr Links und Zugriffe entfallen auf die Startseite.

Aber auch bei einer OnePage mit einer zweiten <noscript>-Version, ist der Anteil des Traffics auf der Hauptseite mit 90% viel größer, als bei konventionellen Seiten.

Benutzertracking

Das Tracking einer OnePage kann schwierig werden, da eine wichtige Informationsquelle, die der Landingpages, verloren geht. Die OnePage erfordert in den meisten Fällen aber mehr Interaktion und so könnten Daten wesentlich ergiebiger sein. Außerdem haben sie eine höhere Aussagekraft. Das liegt bei OnePages an der ausdrücklich gewollten gesteigerten Interaktion. Damit könnten OnePages ähnlich genaue Daten liefern wie Mouse- oder Eyetracking-Studien. Ein Klick erhält mehr Aussagekraft, solang der User sich genau bewusst ist, welcher Inhalt durch das Event angefordert wird.

Eine Tracking-Methode ist das Abfragen der Sichtbarkeit eines Inhalts. Scrollt der User einen Inhalt zu einem hohen Prozentteil in den sichtbaren Bereich, kann anhand der Zeit bis weiter gescrollt wird, das Interesse festgehalten werden.

Die Verweildauer auf der Seite wird auch insgesamt erhöht, denn die Interaktion verlangt vom User mehr Aufmerksamkeit. Statt Seiten schnell durchzuklicken oder zu scrollen, liegt der Fokus vermehrt auf dem Content, der zu einem höheren Anteil tatsächlich vom User konsumiert wird und nicht nur von der Suchmaschine. Leider existieren noch kaum Tracking-Tools auf dem Markt, die solche Daten speziell für OnePages liefern können.

Irreführende Indikatoren

Die SEO-Reportings von OnePages müssen größtenteils anders interpretiert werden. Die OnePage führt zu einer hohen Bounce-Rate, die aber daraus resultiert, dass der User auf ein und derselben Seite verweilt, während es im Tracking so aussieht, als hätte er wenig Interesse an den Unterseiten.

Die OnePage hat aber den Vorteil, dass die Authority der Hauptseite im SEO schnell ansteigt. Der Nachteil liegt in der fehlenden Optimierung des Rankings auf die zielgruppenspezifische Sprache von Unterseiten. Im Gegenzug erreicht die Website eine überdurchschnittlich hohe Relevanz für das Hauptkeyword. Findet sich viel Content auf der OnePage, besteht aber zunehmend die Gefahr der Verwässerung der Sekundärkeywords. Reine OnePages sind daher vor allem dann geeignet, wenn ein Thema besonders stark fokussiert wird.

Wer sucht, der findet

Die OnePage unserer Agentur war aus SEO-Sicht ein großer Test für uns. Sie wurde als eingleisiges Onpage-Konzept aufgesetzt und sorgte für eine mäßige SEO-Performance. Besonders das Keyword-Ranking war unterdurchschnittlich.

Mit der Zeit haben wir Maßnahmen ergriffen, die vor allem das SEO positiv beeinflussen sollten. Durch die Umsetzung gezielter Einzelmaßnahmen konnten wir genau beobachten, welche Methoden einen signifikanten Effekt erzielten.

Die Startseite ist die TOP-Einstiegsseite, das ist beim Großteil aller Websites der Fall. Bei uns war und ist das jedoch auch technisch bedingt. Alle Incoming-URL’s werden per Permanent-Redirect auf die Root-URL weitergeleitet. Das weitere URL-Handling übernimmt dann JavaScript. Es prüft die Incoming-URL auf Gültigkeit, aktualisiert die Adresszeile, scrollt die Sektion des angeforderten Inhalts in den errechneten Viewport des Users und lädt schlussendlich den Inhalt via Ajax nach. Dadurch trat u.a. die angesprochene Verwässerung der Keyword-Relevanz ein.

Das Aussteuern einer sitemap.xml hat aus dem o.g. Grund auch nicht zu einer Aufnahme der Inhalte in den Google-Index geführt. Inhaltsverknüpfungen via onClick-Event werden von Google nicht berücksichtigt.

Als weitere Lösung des Problems etablierten wir eine alternative Inhaltsausgabe, die abhängig vom User-Agent geladen wird. Human und Robot sehen faktisch verschiedene Seitenstrukturen, während aber die Inhalte dieselben sind.

Die Robot-Inhaltsausgabe haben wir durch OnePage-SEO so aufbereitet, dass u.a. der Nachteil der langen Ladezeiten dadurch aufgehoben werden konnte, dass die Inhalte aus dem OnePage-Kontext herausgelöst und als Einzelseiten mit viel besserer PageSpeed-Performance ausgeliefert werden. Der Aufbau der Inhalts-Weiche zeigte, dass dieses Konzept mit den aktuellen Mechanismen von Google sehr gut funktionierte.

Des Weiteren haben wir – aufgrund der veränderten Seitenstruktur – die Struktur des Inhalts optimiert. Die angesprochene Struktur auf der Ebene von H-Überschriften haben wir für unsere Beiträge für beide Versionen der Website optimiert. Hier ist es wichtig keine Inkonsistenzen zu erzeugen.

Das i-Tüpfelchen war jedoch – die Überarbeitung der internen Verlinkung. Zu Unrecht wird dieses mächtige SEO-Tool meist nicht ausreichend beachtet, weil der Fokus oft auf die externe Verlinkungen gelegt wird!

Konsequent wurden alle onClick-Events durch a-hrefs ersetzt und die von JavaScript benötigten Parameter durch das HTML 5 data-Attribut „transportiert“.

Das Experiment OnePage ist noch nicht abgeschlossen, da auch die Entwicklung seitens der Suchmaschinen nicht still steht. Über die Jahre konnten wir aber einiges an Erfahrungen sammeln, wie man auch mit OnePages eine hohe SEO-Performance erzielt.

Ende gut, Anfang gut!

Zusammenfassend kann man festhalten, dass Google die neuen Entwicklungen nicht unberücksichtigt lassen wird. Derzeit liegen die Vorteile dennoch klar in der Entwicklung von zwei Ausgaben einer Website.

Selbst wenn Snapshots von AJAX-Abfragen erstellt werden können. Die Schwierigkeiten liegen darin, für jede Seite eigene Metadaten festzulegen, auf Landingpages Keywords zu optimieren und über die Suchergebnisse auf Zielgruppen zuzugehen. So ist oft auch aus Marketingsicht eine OnePage eine Seite, die sich jedem Nutzer gleich präsentiert, Konformismus wenn man so möchte.

Auch die Ladezeiten, auf die Google im Ranking besonderen Wert legt, müssen möglichst minimal gehalten werden. In keinem Bereich liegen aber unlösbare Schwierigkeiten vor, es muss nur mit einer höheren Sensibilität herangegangen werden.

Das Terrain, das die Webentwicklung hier betreten hat, ist nicht nur ein kurzer Trend. Dies wird durch den Rahmen deutlich, in dem sich das Konzept OnePage entwickelt.

Großspurige Fortschritte in Sachen SEO können aber erst gemacht werden, wenn auch die Suchmaschinenbetreiber diese Neuentwicklung in ihrer Form berücksichtigen.

Die klassischen CMS-Systeme bieten oft nicht die Möglichkeit, auf einfachem Wege eine OnePage zu realisieren. Längst haben aber Entwickler begonnen neue CMS für OnePages zu entwerfen, die den Anforderungen an dieses Konzept gerecht werden. Ein spezialisiertes CMS könnte die Content-Struktur für den Crawler automatisch aufbauen, während wie gewohnt Content gepflegt wird.

Nach wie vor gilt: JavaScript ist ein Segen für die Webentwicklung, doch reines HTML & CSS ist in jedem Fall vorzuziehen, wenn damit dieselben Ergebnisse erzielt werden können. Vor allem auf mobilen Endgeräten. Sollte verhältnismäßig viel JavaScript zum Einsatz kommen, muss die Logik einfach, der Code kurz sein.

Statt das Bedienkonzept der OnePage aufgrund neuer Herausforderungen im SEO als unnötig abzutun, sollten die Bedürfnisse der User berücksichtigt werden. Sollte sich dieses Interaktionskonzept als klarer Vorteil herausstellen, werden sich auch zunehmend Suchmaschinen und SEO darauf einstellen müssen.

Über die Autoren

gruenklee_Logo_ohne_Schriftzug_RGBgruenklee – kommunikation.design ist eine inhabergeführte Agentur für Markenkommunikation und Design (online & offline). Wir entwickeln kreative, überzeugende Design- und Kommunikationskonzepte für Unternehmen, Marken und Produkte.

Wir setzen diese um und sorgen dafür, dass Unternehmensstrategien sowie Botschaften in angemessener und zukunftssicheren Form sichtbar werden. Sie sollen so wahrgenommen werden, wie sich für die heutige Zeit gehört: unaufdringlich, überraschend, wirksam und glaubwürdig.

www.gruenklee.de

Quellen:

[1] Steve Krug: Don‘t make me think! Web Usability. mitp verlag: 2002

[2] http://shop.stripe.com

[3] http://baymard.com/checkout-usability

[4] http://moz.com/ugc/can-google-really-access-content-in-javascript-really

[5] https://developers.google.com/webmasters/ajax-crawling/docs/getting-started

[6] https://developer.chrome.com/extensions/omnibox

[7] https://developers.google.com/speed/pagespeed/insights/

 

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